Demeter: BIO-Siegel mit strengen Richtlinien

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Demeter-Siegel auf einer Demeter Milch. Foto: Carsten Vollenbroich

Im BIO-Laden stehen sie schon längst, in einigen ausgewählten Supermärkten findet man sie dagegen erst seit kurzem – Produkte mit dem Demeter-Siegel. Das orange-grüne Demeter-Logo kennt natürlich jeder, der sich für BIO-Standards, ökologische und nachhaltige Landwirtschaft sowie einen möglichst bewussten Konsum interessiert. Doch was genau steckt eigentlich hinter dem BIO-Label und tun wir uns und der Umwelt wirklich etwas Gutes, wenn wir Demeter-Produkte kaufen? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir dir im nachfolgenden Ratgeber, der alle wichtigen Informationen rund um Demeter liefert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Demeter?

Als deutscher BIO-Anbauverband wurde Demeter 1924 gegründet und gilt damit als einer der ersten Bioverbände unseres Landes. Im Mittelpunkt stehen hier die biologisch-dynamische (kurz: biodynamische) Landwirtschaft sowie sehr strenge Richtlinien, nach denen das Arbeiten und Wirtschaften auf einem Demeter-Hof geregelt ist. Mittlerweile gehören ungefähr 1.700 Landwirte in ganz Deutschland zum Verband und bestellen gemeinsam eine Fläche von über 93.000 Hektar. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld ist ungefähr einen halben Hektar groß – die insgesamt von Demeter-Betrieben bewirtschafteten Fläche entspricht also rund 186.000 Fußballfeldern. Zu den Produkten, die Demeter herstellt, gehören Lebensmittel wie Fleisch, Käse, Gemüse und Obst, aber auch Kosmetik.

Hier geht es zur Demeter Seite: https://www.demeter.de

Demeter als Göttin
Für den Namen ihres Verbandes haben sich die Gründer von Demeter ein starkes Vorbild genommen: die griechische Göttin Demeter. Sie ist eine der zwölf Gottheiten aus dem Olymp und repräsentiert die Fruchtbarkeit von Erde, Getreide und Saat sowie die Jahreszeiten.

Die Richtlinien: Wofür steht Demeter?

Bei der biodynamischen Landwirtschaft von Demeter ist ein Bauernhof bzw. landwirtschaftlicher Betrieb nicht nur als Summe seiner Einzelteile, sondern vielmehr als eine Art lebendiger Organismus zu verstehen. Deshalb ist eines der wichtigsten Prinzipien bei Demeter die sogenannte Kreislaufwirtschaft. Aufs Wesentliche heruntergebrochen bedeutet das folgendes: Damit eine Pflanze wachsen kann, benötigt sie einen fruchtbaren Boden, der sie mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Zur Fruchtbarkeit des Bodens trägt der Mist von Tieren bei, die sich wiederum von den Pflanzen ernähren. Der Mensch dagegen ist dafür da, um für das optimale Gleichgewicht zwischen Tier und Pflanze zu sorgen und den Hof zu bestellen. So ergibt sich ein harmonisches Zusammenspiel à la „The Circle of Life“. Deshalb gilt bei Demeter auch die Vorgabe, dass jeder Hof nicht nur Ackerbau und Pflanzenzucht betreiben soll, sondern auch eine gewisse Zahl an Tieren zu halten hat – umgekehrt gilt das natürlich auch.

Selbstverständlich hat Demeter noch sehr viel mehr Richtlinien und Grundsätze, die alle im Verband aktiven Landwirte, Hersteller und Co. einhalten müssen. Diese unterscheiden sich von den allgemeingültigen BIO-Standards teilweise deutlich – denn sie sind um ein Vielfaches strenger. Wenn du also Demeter-Milch oder Demeter-Mehl kaufst, kannst du davon ausgehen, dass hier deutlich höhere Qualitätskriterien angesetzt werden als beim gewöhnlichen BIO-Produkt aus Discounter und Supermarkt. Du willst mehr darüber wissen? Hier ist ein Auszug aus den Richtlinien von Demeter:

  1. Entwicklung von eigenen Pflanzenzüchtungen und Demeter-Saatgut
  2. keine Gentechnik
  3. keine Enthornung von Rindern
  4. mehr Platz und Auslauf für Tiere
  5. streng kontrolliertes BIO-Futter (mindestens 50 % davon vom eigenen Hof)
  6. keine chemisch-synthetischen Pestizide
  7. faire Preise für die Erzeuger

Wer Demeter-Produkte kauft, leistet demzufolge einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Verantwortung und Fairness. Davon profitieren die Umwelt, die Hoftiere, die Angestellten in den landwirtschaftlichen Betrieben, aber auch wir als Kunden – weil wir eben keine Pestizide und gentechnisch veränderten Lebensmittel mehr kaufen müssen.

Die Produkte: Was kann ich bei Demeter kaufen?

Ob Demeter-Wein, Demeter-Fleisch oder Demeter-Honig – mittlerweile kannst du dich in puncto Lebensmittel für jeden Geschmack mit Produkten ausstatten, die das orange-grüne Demeter-Siegel tragen. Dabei kommen vor allem diejenigen von uns auf ihre Kosten, die bei ihrer Ernährung großen Wert auf Qualität und Geschmack legen. In den folgenden Kategorien kannst du Demeter-Produkte kaufen:

  • Fleisch- und Wurstwaren
  • Milch und Milchprodukte
  • Eier
  • Honig
  • Getreide, Brot und Backwaren
  • Wein
  • Obst und Gemüse
  • Babynahrung
  • Naturkosmetik

Du siehst: Die Produktpalette ist groß und wird regelmäßig erweitert – sofern es die strengen Richtlinien der Demeter-Definition zulassen. Dabei müssen die Produkte nicht zwingend aus Deutschland stammen, denn der Verband wendet seine Richtlinien auch auf Importware an. Beste Beispiele: Demeter-Kaffee und Demeter-Bananen – beide wachsen nicht in der Bunderepublik und haben einen langen Weg hinter sich, bevor sie bei uns auf dem Teller bzw. in der Tasse landen. Doch auch hier gelingt es Demeter, dank strenger Vorgaben, neue Möglichkeiten für exotischen Genuss zu schaffen – ganz ohne schlechtes (Umwelt-)Gewissen.

Das Siegel: Wer kontrolliert Demeter?

Strenge Richtlinien sind schön und gut – aber wer sorgt dafür, dass diese auch eingehalten werden? Wie alle landwirtschaftlichen Betriebe, die BIO-Produkte erzeugen bzw. herstellen, werden auch die Demeter-Höfe einmal jährlich von staatlich anerkannten sowie unabhängig arbeitenden Kontrolleuren geprüft. Darüber hinaus gibt es immer wieder stichprobenartige Kontrollen des Tierwohls auf den Höfen. Wer gegen die Kriterien des Demeter-Siegels verstößt, muss mit Sanktionen rechnen und bekommt das Siegel schlimmstenfalls aberkannt.

Die Kritik: Was spricht gegen Demeter?

Neben den vielen positiven Effekten, die die Wirtschaftsweise von Demeter auf Mensch und Umwelt hat, gibt es einige Stimmen, die gegenüber dem BIO-Label kritisch eingestellt sind. So bringen viele Kritiker Demeter mit Esoterik in Verbindung, da die Regularien der biodynamischen Landwirtschaft auf den Ausführungen des umstrittenen Anthrosophie-Gründers Rudolf Steiner basieren. Der war bekennender Esoteriker und behauptete gar hellseherische Fähigkeiten zu haben. Auch der Umgang mit sogenannten „biodynamischen Präparaten“ stößt immer wieder auf Kritik. Hierbei handelt es sich beispielsweise um mit Kuhdung gefüllte Kuhhörner, die zunächst vergraben und deren Inhalt anschließend in bestimmter Weise aufs Feld ausgebracht werden muss, um den Boden zu „heilen“.

Fazit: Ist Demeter gut oder schlecht?

Als BIO-Verband mit sehr strengen Qualitätsrichtlinien, einer starken Prämisse für mehr Tierwohl, faire Bezahlung der Arbeiter und Erzeuger, einen nachhaltigen Umgang mit kostbaren Ressourcen und Respekt vor der Umwelt ist Demeter ein Siegel, das man unbedingt unterstützen sollte. Die Produkte gibt es bisher zwar nicht überall im Handel, jedoch kannst du Gemüse, Milch und Co. zunehmend häufiger im Supermarkt entdecken. Auch auf Wochenmärkten sowie in Reformhäusern ist Demeter immer öfter vertreten. Du möchtest noch mehr über BIO-Siegel erfahren? Auch über Bioland, Naturland und das EU-BIO-Siegel lohnt es sich zu informieren.