Ingwer: Wunderknolle mit viel Power

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ingwer zingiber officinale
Ingwer (Zingiber Officinale) Rhizom. Foto:Carsten Vollenbroich

Mehr als 25.000 Tonnen Ingwer wurden allein im Jahr 2019 nach Deutschland importiert – Tendenz steigend. Das überrascht kaum, denn mittlerweile kann man frischen Ingwer längst nicht mehr nur im Asiamarkt kaufen, sondern bekommt die würzige Knolle sogar im Discounter. Doch woher kommt der Hype um die Würzpflanze mit dem scharf-zitrischen Geschmack? Und ist der Ingwer wirklich so gesund, wie es immer heißt? Diese und viele weitere Fragen rund um die Wurzel klären wir nachfolgend. Dazu gibt es selbstverständlich auch ein paar passende Tipps für die Zubereitung und leckere Rezepte.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ingwer?

Bei Ingwer handelt es sich um eine Pflanzenart, die den wissenschaftlichen Namen Zingiber officinale trägt. Von der aus der Familie der Ingwergewächse stammenden Pflanze ist für uns allerdings nur der unterirdische Teil interessant: das Ingwer-Rhizom bzw. der Ingwerwurzelstock. Dieser trägt manchmal auch den Namen Immerwurzel oder Imber und wird als Arzneidroge oder Gewürz in der Küche verwendet. Traditionell ist der Ingwer beispielsweise aus der asiatischen Küche nicht wegzudenken, mittlerweile findet die gelblich gefärbte Knolle aber auch in heimischen Rezepten Verwendung – sogar in Getränken und Süßspeisen. Das liegt unter anderem daran, dass Ingwer ein sehr feines, zitrisches Aroma aufweist. Je nach Erntezeitpunkt und Verarbeitung begeistert die Knolle außerdem mit einem erfrischend scharfen oder eher milden Geschmack.

Inhaltsstoffe: Warum ist Ingwer so gesund?

Ob Ingwer Shot oder Ingwertee – der exotischen Gewürzknolle werden viele positive Effekte auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit nachgesagt. Diese lassen sich natürlich auf die wertvollen Inhaltsstoffe zurückführen, die im Ingwer vorkommen – und davon gibt es eine ganze Menge. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie viele Vitamine und Mineralien im Ingwer stecken. Bedenke allerdings, dass es sich hierbei um die Angaben pro 100 Gramm handelt – mit einer üblichen Verzehrmenge wirst du also eher nur einen kleinen Teil deines täglichen Nährstoffbedarfs decken können.

Vitamine im Ingwer
Vitamin C: 5mg
Vitamin B1: 0.02 mg
Vitamin B2: 0.04 mg
Vitamin B6: 0.16 mg
Beta-Carotin: 5 µg
Folsäure: 10 µg
Mineralstoffe im Ingwer
Calcium: 20 mg
Eisen: 0.5 mg
Kalium: 415 mg
Magnesium: 45 mg
Natrium: 15 mg
Phosphat: 30 mg
Zink: 1.2 mg

Neben Vitaminen und Mineralstoffen stecken in der Knolle zudem ätherisches Öl, Harze und Harzsäuren sowie Gingerol, das für die Schärfe verantwortlich ist. Weitere Bestandteile, die den besonderen Charakter und die Wirkung von Ingwer ausmachen, sind: Zingiberen, Zingiberol, Shogaol, Borneal, Cineol, Zingeron und Diarylheptanoide.

Quelle Nährstofftabelle: https://www.apotheken-umschau.de/Ingwer

Info: Frisch, Pulver oder als Ingwersaft?
Gerade weil die Gewürzknolle so viele gute Inhaltsstoffe enthält, gibt es immer mehr Produkte auf dem Markt, die mit Ingwer werben. Ob du dich für Ingwersaft bzw. einen Ingwer Shot, Ingwerpulver oder frischen Ingwer entscheidest, kann jedoch einen großen Unterschied machen: Die besten Inhaltsstoffe bekommst du normalerweise, wenn du die frische Knolle (idealerweise in BIO-Qualität) verarbeitest. Bei Ingwer Shots oder Ingwerpulver (zum Kochen) kommt es auf die Qualität sowie eventuelle zusätzliche Zutaten an. Ingwerkapseln wiederum gehören zu den Nahrungsergänzungsmitteln und sind in ihrer Wirkung umstritten.

Gesundheit: Welche Wirkung hat Ingwer?

Nach landläufiger Meinung soll Ingwer gegen Übelkeit und Erkältungen helfen, das Immunsystem stärken und zudem entzündungshemmend wirken. Teilweise wird die Gewürzknolle sogar als Aphrodisiakum eingesetzt – diese Wirkung ist jedoch keineswegs medizinisch-wissenschaftlich belegt. Anders sieht das beim Einfluss auf den Magen-Darm-Bereich aus: Ingwer kann die Verdauung unterstützen und gegen Blähungen oder Übelkeit wirken. Das ist auf seine Inhaltsstoffe zurückzuführen, die einen anregenden Effekt auf die Produktion von Magensaft, Speichel und Galle haben. Hieraus ergibt sich noch eine weitere positive Nebenwirkung: Durch den Einfluss auf die Speichelproduktion, stimuliert Ingwer ein spezielles Enzym, welches für frischen Atem sorgt. Wer also hin und wieder unter Mundgeruch leidet, sollte getrost zu Ingwer greifen.

Weitere Studien legen nahe, dass Ingwer auch der Entstehung von Krebs und Diabetes vorbeugen sowie bei Bluthochdruck helfen kann. Hier gilt allerdings, dass die Studienlage noch nicht umfassend genug ist. Stattdessen ist eher von sogenannter Grundlagenforschung auszugehen, die teilweise bisher nur auf Ergebnissen aus Reagenzglasforschung und Tierversuchen basiert. Darüber hinaus wichtig: Wer Ingwer verwenden möchte, um seinen Gesundheitszustand positiv zu beeinflussen, sollte diesbezüglich immer Rücksprache mit einem Arzt halten. Das gilt insbesondere dann, wenn du bereits unter einer Krankheit leidest.

Du möchtest dich noch weiter über Studien rund um die Wirkung von Ingwer informieren? Wir haben ein paar Lesetipps für dich zusammengestellt:

https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/34714/
https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/34844/

Nebenwirkungen: Wer sollte keinen Ingwer essen?

Auch wenn Ingwer lecker ist und sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken kann – es gibt einige Personengruppen, die auf den Verzehr lieber verzichten sollten. So ist der Genuss von Ingwer in der Schwangerschaft umstritten: Die Knolle steht im Verdacht vorzeitige Wehen auszulösen oder gar Fehlgeburten herbeizuführen. Sowohl in den späteren Trimestern als auch in der Frühschwangerschaft ist Ingwer deshalb am besten nur nach Absprache mit dem Arzt zu konsumieren. Darüber hinaus ist die Gewürzpflanze aufgrund ihrer gerinnungshemmenden und blutverdünnenden Wirkung bei einigen Patientengruppen nicht ganz risikofrei. Insbesondere wenn du Medikamente nimmst oder dich diesbezüglich in Behandlung befindest, empfehlen wir dir immer dich von einem Arzt beraten zu lassen.

Rezepte: Wie kann man Ingwer zubereiten?

Ingwerwasser, Ingwertee, Ingwersirup oder Ingwerbier – heutzutage begegnen dir praktisch an jeder Ecke verschiedenste Gerichte und Getränke mit der würzig-scharfen Knolle als Zutat. Damit du von den tollen Inhaltsstoffen des Superfoods profitieren kannst, raten wir dir jedoch dazu, am besten selbst zu kochen und die Knolle frisch zu verarbeiten. Hierfür solltest du den Ingwer schälen und anschließend in Scheiben oder Würfel schneiden oder ganz fein reiben. Einfachstes Rezept für ein leckeres Getränk: In Scheiben geschnittenen Ingwer mit heißem Wasser aufgießen, einen Schuss Honig dazu und fertig ist ein leckerer Ingwertee – tut besonders an kalten Tagen gut, auch in Kombination mit Kurkuma. Im Sommer empfiehlt sich dagegen ein spritzig-frisches Ingwerwasser: Hierfür den Ingwer ebenfalls in Scheiben mit kaltem Wasser aufgießen, für ein paar Stunden ziehen lassen und am besten eiskalt genießen. Wenn du den Ingwer lieber auf dem Teller als im Glas hast, empfehlen wir dir einen Blick in die asiatische oder indische Küche: Wie wäre es mit einem leckeren Gemüsecurry mit Kokosmilch oder einem Dal mit roten Linsen? Hier sorgt der Ingwer für Schärfe und Würze sowie die typisch exotische Note.

Küchentipp: Ingwer richtig lagern
Wenn du Ingwer kaufst, findest du ihn meist ungekühlt in der Gemüseabteilung. Zuhause lagerst du die Wurzel am besten entweder an einem trockenen Ort (unangeschnitten) oder im Kühlschrank (angeschnitten). Alternativ kannst du Ingwer auch anpflanzen und so immer frischen Ingwer ernten. Einfrieren und Einlegen funktionieren als Methoden für die Haltbarmachung ebenfalls.