Rettich: Scharfes Gemüse mit Biss

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schwarzer rettich raphanus
Schwarzer Rettich, schön scharf und sehr gesund. Foto: Carsten Vollenbroich

Eine bayerische Brotzeit ohne Rettich bzw. „Radi“ funktioniert genauso wenig wie das Oktoberfest ohne Bier und Weißwürste. Das Küchengemüse Rettich ist aber nicht nur in Süddeutschland beliebt, sondern steht bei vielen gesundheits- und fitnessbegeisterten Genießern regelmäßig auf dem Speiseplan: Ob in Suppen und Eintöpfen, als Rettichsalat oder pur für den kleinen Hunger zwischendurch – wer es gern scharf mag, wird Rettich lieben. Doch wie bei vielen anderen Lebensmitteln und Gewürzen, geht es auch bei diesem Wurzelgemüse längst nicht nur um den Genuss: Auch die vielen wertvollen Inhaltsstoffe werden sehr geschätzt. Ist der Rettich also ein echtes Superfood? Und wie lässt er sich am besten zubereiten? Das und noch viel mehr verraten wir nachfolgend.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist Rettich?

Wer an Rettich denkt, dem kommt dabei oft Meerrettich in den Sinn. Diese Assoziation ist allerdings falsch: Rettiche (wissenschaftlicher Name: Raphanus) bilden nämlich eine eigene Gattung in der Familie der Kreuzblütler, während Meerrettich (wissenschaftlicher Name: Armoracia rusticana) eine Art der Gattung Armoracia ist. So tragen die Pflanzen zwar einen ähnlichen Namen, sind geschmacklich vergleichbar und werden traditionell gern in der bayerischen Küche verwendet – dennoch sind sie nur entfernt miteinander verwandt. Ganz anders sieht das bei den Radieschen aus: Die sind nämlich eine Varietät des Garten-Rettichs, der hierzulande fest in der heimischen Küche verankert ist. Verwendet wird dabei vornehmlich die Wurzel. Die kannst du je nach Rettich-Sorte und Rezept mit oder ohne Schale essen, kochen oder roh verzehren.

Info: Roter, weißer oder schwarzer Rettich?
Wenn du hierzulande im Asialaden, im gut sortierten Supermarkt oder beim Wochenmarkthändler deines Vertrauens vorbeischaust, wirst du sehen, dass es Rettich in verschiedenen Farben gibt: Rot, schwarz und weiß. Am häufigsten wird dir der weiße Rettich begegnen, denn der ist aufgrund seines aromatischen Geschmacks überaus beliebt und gedeiht in unseren Breitengraden hervorragend. Roter Rettich überzeugt vor allem optisch – im Inneren ist sein Wurzelfleisch jedoch genauso weiß, wie das seines hellhäutigen Bruders. Beim schwarzen Rettich solltest du die Schale lieber entfernen, denn sie kann hart und ungenießbar sein. Tipp: Wenn dir herkömmlicher Rettich zu scharf ist, solltest du mal Daikon-Rettich aus ausprobieren – der ist deutlich milder und bekömmlicher.

Inhaltsstoffe: Warum ist Rettich gesund?

Angesichts der vielen wertvollen Inhaltsstoffe ist das Wurzelgemüse ernährungsphysiologisch sehr zu empfehlen. Vor allem wenn du mit Rettich abnehmen möchtest, hast du gute Karten: 100 Gramm enthalten gerade einmal 16 Kilokalorien und nur einen minimalen Anteil an Kohlenhydraten – perfekt für alle, die auf Low Carb schwören. Das ist aber natürlich noch längst nicht alles. Rettich enthält zudem viele für unseren Körper wichtige Vitamine und Mineralstoffe – mit einer ordentlichen Portion Rettichsalat kannst du beispielsweise deinen kompletten Vitamin C-Tagesbedarf decken. Die folgenden Tabellen zeigen alle wichtigen Nährstoffe pro 100 Gramm Rettich.

Vitamine im Rettich
Vitamin A: 0.002 mg
Vitamin B1: 0.03 mg
Vitamin B2: 0.03 mg
Vitamin B3: 0.4 mg
Vitamin B5: 0.18 mg
Vitamin B6: 0.06 mg
Folsäure: 0.02 mg
Vitamin C: 27 mg
Vitamin E: 0.01 mg
Mineralstoffe im Rettich
Calcium: 41 mg
Kalium 450 mg
Magnesium: 19 mg
Natrium: 15 mg
Phosphor: 36 mg

Neben diesen „klassischen Inhaltsstoffen“ kann Rettich als Gemüse noch mit ein paar Besonderheiten aufwarten: So enthält die Wurzel unter anderem Raphanol, schwefelhaltiges Öl plus diverse Bitterstoffe und Senfölglykoside. Diese Kombination sorgt einerseits für den charakteristisch scharfen Geschmack von Rettich, hat für manch einen Genießer aber auch eine unangenehme Nebenwirkung: Sie empfinden den Geruch des Gemüses als störend.

Quelle Nährstofftabelle: https://www.geo.de/wissen/ernaehrung/vitamin-lexikon/20431-rtkl-weisser-rettich-diese-vitamine-stecken-drin

Gesundheit: Welche Wirkung hat Rettich?

Du leidest häufiger unter Blähungen, Verstopfungen und ähnlichen Magen-Darm-Beschwerden? Dann kann dir der regelmäßige Verzehr von Rettich helfen, denn die enthaltenen Senföle bringen die Gallensaftproduktion auf Trab und können unterstützend auf deine Verdauung einwirken. Darüber hinaus wird dem Gemüse eine antibiotische Wirkung zugewiesen und die Senföle helfen Schleim zu lösen – das kann bei Erkältungen hilfreich sein. Viele wissenschaftliche Studien rund um die gesundheitsfördernde Wirkung von Rettich gibt es allerdings bisher noch nicht. Tatsächlich stehen jedoch die Senföl-Glykoside, die übrigens auch in Kresse und Kohl vorkommen, im Verdacht einen positiven Einfluss auf die Krebsentwicklung zu haben. Allerdings steckt die diesbezügliche Forschung bislang noch in den Kinderschuhen. Wer sich zu diesem Thema weiter informieren möchte, ist mit unseren Leseempfehlungen gut beraten:

https://www.swr.de/odysso/lebensmittel-und-krebs/-/id=1046894/did=21490556/nid=1046894/ihe872/index.html
https://idw-online.de/de/news209320

Nebenwirkungen: Wer sollte lieber keinen Rettich essen?

Wenn du einen empfindlichen Magen hast und häufig unter Sodbrennen oder Magenschmerzen leidest, ist Rettich für dich vermutlich nicht unbedingt das Gemüse der ersten Wahl. Die scharfen Senföle können deinen Verdauungstrakt zusätzlich reizen und die Beschwerden gegebenenfalls verschlimmern. Außerdem solltest du Rettich am besten in Maßen genießen. Denn zu viel von der würzigen Wurzel kann Blähungen verursachen.

Rezepte: Wie kann man Rettich zubereiten?

Bei der Zubereitung von Rettich gibt es viele Varianten: Du kannst den Radi reiben und in einem Rettichsalat verarbeiten, ihn in Scheiben aufgeschnitten pur genießen oder als würzige Einlage in Suppen und Eintöpfen oder sogar für ein Rettich-Risotto verwenden. Du musst den Rettich also nicht zwangsläufig kochen – und übrigens auch nicht schälen. Normalerweise genügt es das Gemüse ordentlich zu waschen sowie Strunk und Wurzelspitze zu entfernen – vor allem bei gutem BIO-Gemüse. Lediglich schwarzen Rettich solltest du schälen, weil die Schale unangenehm hart ist. Zusatztipp: Wenn dir das Wurzelgemüse zu scharf ist, solltest du es ordentlich salzen und kurz ziehen lassen. Dadurch schmeckt der Radi gleich ein wenig milder – perfekt für alle Rettich-Rezepte, bei denen er roh gegessen wird.

Tipp: Rettich selbst anbauen und ernten
Rettich ist ein Gemüse, das du prima zuhause im eigenen Garten anbauen kannst – so genießt du ihn immer frisch und in bester Qualität. Du hast nur einen kleinen Balkon mit Hochbeet? Falls dein Platz nicht ausreicht, um Rettich anzubauen, versuch es doch einfach mit Radieschen – die wachsen auch auf kleinstem Raum und haben eine ähnliche Wirkung. Zusätzlicher Pluspunkt: Je nachdem, für welche Sorte du dich entscheidest, kannst du Rettich fast das ganze Jahr ernten – so kommst du immer in den Genuss eines frischen Rettichsalats.